Flashmans letzter Feldzug
Nachwort zur deutschen Ausgabe
von Martin Compart

I.

Der vorliegende Roman ist der 11. und letzte, den George MacDonald Fraser geschrieben hat. Beim Erscheinen des Buches, das im Hardcover mehr verkaufte als jeder Flashman-Roman zuvor, war er 80 Jahre alt und bestens in Form. Es folgte noch ein Band mit drei Novellen: Flashman und der Tiger.

   Zuvor hatten einige Kritiker behauptet, Flashy sei in den letzten Büchern weiser und milder geworden. Fraser dazu: „Ich glaube, er ist etwas erwachsener geworden. Das hat zweifellos mit meinem eigenen Alterungsprozess zu tun. Aber ich denke nicht, dass er netter geworden ist. Ich war sehr erfreut, als meine Tochter, nach der Lektüre des neuen Buches, meinte: Flashy ist wieder richtig fies.“ Und wie stand er zu Flashman? „Ich lebe jetzt mit ihm seit fast vierzig Jahren. Ich habe natürlich große Empfindungen für ihn, aber ich glaube nicht, dass ich ihn sehr gemocht hätte. Aber ich teile seine allgemeinen philosophischen Ansichten. Ich bin eher Zyniker und glaube nicht an das Gute im Menschen.“

   Tatsächlich neigt Flashy im Spätwerk zu milderen Ansichten. Ein schönes Beispiel ist seine Beurteilung von Ballantyne und den jungen britischen Offizieren:

„Ich habe weitaus mehr für ihn und seinesgleichen übrig, als für diese psalmdreschenden Bibelfanatiker, die Lippenbekenntnisse ablegen, um die Heiden vom falschen Weg abzubringen, predigen und ihre zwei Pfennig der Antisklavengesellschaft beisteuern, aber niemals einen Gedanken an den jungen Ballantyne verschwenden, der die Seewege für die Zivilisation freihält oder Jack Legerwood, der einen Tod sterben musste, den man nicht mal seinem ärgsten Feind wünscht... und wenn der Sklavenhandel von unseren Meeren verschwinden sollte, war dies nicht wirklich der Arbeit von Reformatoren und Staatsmännern geschuldet, mit ihren hochtrabenden Idealen in London, Paris und Washington, sondern der lang vergessenen Heerschar ziemlich nutzloser junger Briten, die sich gerne damit die Zeit vertrieben.“

   Früher hätte sich Flashy wohl über sie lustig gemacht und als Idioten bezeichnet.

Flashmans Feldzug gehört zu den interessantesten der Serie und veranlasste den amerikanischen Schriftsteller John Updike zu einer Würdigung. Fraser war inzwischen eine anerkannte literarische Größe und erfreute sich gerade unter Historikern große Popularität. Die Äthiopien-Expedition, die unter die „Little Wars“ des Empires eingeordnet wird, gehörte zu den obskursten Unternehmungen der Briten. Bei uns ist dieser Feldzug fast unbekannt, was um so mehr verwundert, da unter den Geiseln und Zeugen sowohl Deutsche, Österreicher und Schweizer waren. Der Politologe Volker Matthies hat in seinem Buch Unternehmen Magdala deren Zeugnisse herausgearbeitet und eines der besten Sachbücher zu diesem Feldzug vorgelegt. Er weist in seinem Buch auch auf die Parallelen zur heutigen Kriegsführung hin:

Als Geiselbefreiungsaktion gilt er als erste große humanitäre Intervention der Weltgeschichte.

Deutlich zeigt sich in ihm die in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts beginnende Industrialisierung des Krieges.

Durch die Teilnahme zahlreicher Journalisten war der Feldzug auch ein frühes Beispiel des „embedded journalism“.

Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen begleiteten die Armee, um Kulturgüter zu rauben und Erkenntnisse über ein unbekanntes Land zu gewinnen.

Als reine Strafexpedition wurde das Land nicht dauerhaft besetzt und unter kolonialer Vorherrschaft gestellt, sondern behielt seine Unabhängigkeit.

Matthies belegt, wie überheblich und selbstbewusst damals die Kriegskorrespondenten auftreten konnten und wie die Armeeführung alles Erdenkliche tat, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Das hatte mit den Erfahrungen im Krim-Krieg zu tun (siehe auch Flashmans Attacke), in der der Times-Reporter auf die Fehler der militärischen Führung und die katastrophalen Bedingungen hinwies und unter der Bevölkerung eine Welle der Entrüstung auslöste. Ähnlich wie in jüngerer Zeitgeschichte die Militärs aus der negativen Berichterstattung im Vietnam-Krieg gelernt haben, versuchte man danach die Presse „einzubinden“ um sie positiver auszurichten.

   Einem dieser Korrespondenten kommt in Bezug auf Flashman und dem historischen Abenteuerroman eine besondere Bedeutung zu: Bei uns kennen ihn nur Experten und nur wenige seiner Bücher wurden Anfang des 20.Jahrhunterts ins Deutsche übersetzt. In Britannien ist er so bekannt wie bei uns Karl May.

   Der Einfluss von George Alfred Henty (1832-1902) auf die viktorianische Jugendliteratur -  und noch Jahrzehnte darüber hinaus - kann gar nicht überschätzt werden. Wie kein anderer Autor prägte er bei den jugendlichen Lesern das Bild vom positiven Imperialismus Englands, in dem tapfere Soldaten aus humanistischen Gründen in die unterentwickelte Welt hinaus ziehen um zum Nutzen der Einheimischen deren Land zu unterwerfen und um es von braven Beamten des Empires zu „zivilisieren.“

   Henty schuf fast im Alleingang das sogenannte „Boys-Adventure“-Genre, dass in unzähligen Romanen, Magazinen und später in Comics davon erzählte, wie tapfere englische Buben sich in imperialen Kriegen und kolonialen Gefahren bewähren und dem Empire unter Einsatz ihres Lebens dienen. Henty nahm als Soldat (er verließ die Armee im Rang eines Captain) und Kriegsberichterstatter an fast so vielen Feldzügen und Kriegen teil wie Flashman: Krim-Krieg, serbisch-türkischen-, österreich-italienischen-, Ashanti-Krieg, dem Carlisten-Aufstand in Spanien und natürlich am Feldzug in Abessinien. Er bereiste Russland, Indien und den Nahen Osten. Dabei erlebte er weitere Abenteuer: In Spanien duellierte er sich, da der Kontrahent die Queen beleidigt hatte, in Italien schlug er vier Banditen alleine in die Flucht und rettete seine Frau vor einem Angreifer, der ihr „ein Schicksal schlimmer als der Tod“ bereiten wollte. Diese Reisen und Kriege lieferten ihm hinreichend Stoffe für seine 122 Bücher, deren Großteil Abenteuer-Romane für Jugendliche sind.

   In gewisser Hinsicht ist Fraser das genaue Gegenteil von Henty: Während dieser geradezu naiv das Empire mit seinen Eroberungszügen glorifizierte, legte Fraser immer die Fehler, Schwachstellen und Idiotien der handelnden Personen offen. Laut Aussage von Fraser wurde er auch nicht von Henty beeinflusst - nicht mal als Jugendlektüre: „Henty war nie ein Einfluss auf mich. Ich habe kaum ein Buch von ihm gelesen, obwohl ich viele besitze. Allerdings war sein Buch In times of peril hilfreich für mich, was Hintergrunddetails über Indien anging.“

Heute ist Henty fast vergessen, ein Objekt für Aficionados des Abenteuerromans oder Historiker. In den 1990ern erlebte er eine kurze Renaissance bei ultra-konservativen Privatschullehrern in den USA, die der Meinung waren, Hentys exzellente Moraleinstellung, sein Heroismus und Patriotismus seien als Vorbild für Jugendliche bestens geeignet.

II.

Fraser las selten zeitgenössische Historiker. Stattdessen bevorzugte er Quellenmaterial und Historiker des 19.Jahrhunderts, insbesondere Alexander Kinglake und Sir John Kaye. Dass er sich die Viktorianische Epoche als Sujet seiner Serie auswählte, erklärte er folgendermaßen: „Auf dem Höhepunkt seiner Macht war das Empire etwas einzigartiges. Kein anderes Land hat so eine Geschichte voller Abenteuer und Glamour. Ich werde dauernd gefragt, warum ich nicht über den amerikanischen Bürgerkrieg schreibe. Ein Grund dafür, ist, dass er im Vergleich ziemlich uninteressant ist.“

   Bei einer Umfrage mit prominenten Historikern, wurde Fraser zu dem Schriftsteller historischer Romane gewählt, bei dem „alles stimmt.“ Nach dem Erscheinen des ersten Romans glaubte ein Drittel der amerikanischen Rezensenten, dass es sich tatsächlich um ein Originalmanuskript handelte. „Einer schrieb, das wäre die wichtigste Entdeckung seit den Boswell Papers - und das war ein Professor für Geschichte oder Englisch. Vor ein paar Jahren schrieb mir ein amerikanischer Student, ob er vielleicht Einsicht in die Originalmanuskripte von Flashman nehmen könnte. Die Leute wollen einfach glauben, dass es echt ist.“

   1994 erzählte Fraser dem Daily Telegraph, dass er häufig Angeboten von Lesern erhält („meistens Amerikaner“), ihm bei der Recherche zu helfen. „Das lehne ich natürlich ab. Die Wahl des Themas und die Recherche sind schließlich der halbe Spaß an dieser Arbeit. Eine der häufigsten Fragen, die mir von amerikanischen Fans gestellt wird, ist natürlich, wann ich denn endlich Flashmans Memoiren aus dem amerikanischen Bürgerkrieg veröffentliche. Ich sage dann: irgendwann. Die Amerikaner begreifen nicht, dass ihr Bürgerkrieg nicht das bedeutendste kriegerische Ereignis des 19.Jahrhunderts war. Verglichen etwa mit dem Krim-Krieg.“

   Um die Authentizität zu unterstreichen, benutzte Fraser einen ausgesprochen cleveren Trick; gelegentlich lässt er Flashman etwas irrtümlich behaupten, dem prompt eine Fußnote folgt, die mit den Worten beginnt; „Hier irrt Flashman...“ Damit konnte sich Fraser auch „rausreden“, als ihm ein amerikanischer Leser einen Fehler nachwies. Er schrieb Fraser, dass Flashman gesagt hatte, dies sei „die schlimmste Situation, in der er seit der Schlacht von Chilianwalla in den Sikh-Kriegen gesteckt habe.“ An dieser Schlacht hat Flashman aber gar nicht teilnehmen können, da er zu diesem Zeitpunkt am Mississippi vor Sklavenhändlern auf der Flucht war. Fraser dazu: „Das war sehr unaufmerksam von mir, aber ich konnte es auf Flashman schieben: Der alte Idiot meinte natürlich in Isandlwana, aber sein Gedächtnis hatte ihn im Stich gelassen.“

   Fraser hatte ein geradezu unheimliches Talent, Geschichte lebendig und erfahrbar zu machen. Es ist nicht nur die geniale Figur des Ich-Erzähler Flashmann, es ist vor allem Frasers Fähigkeit, die Handlung vor dem inneren Auge des Lesers sichtbar wie einen Film zu gestalten. Kein Wunder also, dass er ein begehrter Drehbuchautor war. Verwunderlicher ist es, dass es bisher nur eine Flashman-Verfilmung gibt. Dank der heutigen digitalen Möglichkeiten wären sicherlich auch die großen Schlachten darstellbar (man hatte 1975 sicherlich auch Royal Flash als Filmvorlage ausgewählt, weil in diesem Roman keine aufwändigen Kriegszenen vorkamen). Fraser schrieb Szenen, die man zuvor nie gelesen hat.

Oder vielleicht doch?

   „Es ist äußerst schwierig, nicht zu plagiieren“, sagte er einmal und meinte eine bestimmte Szene: In Flashman im Großen Spiel (1975) beschrieb er, wie Flashman in einem Verließ von einem Schurken mit zweifarbigen Augen (Graf Ignatieff) gefangen gehalten wird. In dem Roman Wort Wile von 1937 des Autors P.C.Wren (unsterblich geworden durch den Fremdenlegionsroman Beau Geste) wird der Held eben falls von einem russischen Schurken mit zweifarbigen Augen in einem Verließ gefangen gehalten. Darauf aufmerksam gemacht, bestritt Fraser, den Roman zu kennen. Es war auch nicht David Bowie, der ihn zu den zweifarbigen Augen von Ignatieff angeregt hatte, sondern ein Mitschüler, der ein blaues und ein braunes Auge hatte. „Wenn Wren noch gelebt hätte, hätte er wohl geglaubt, dass es ein Zufall war? Aber es war tatsächlich so.“

   Seine liebsten Autoren waren Walter Scott und Rafael Sabatini. Über dessen Piratenroman Captain Blood (1922) sagte er einmal: „Der Roman machte mir klar, dass die Historie einfach  höllisch gute Stories bietet.“ Zeitgenössische Autoren mied er: „Ich lese keine neuen Geschichtsromane, außer die von meiner Tochter Caro. Ich bin ein alter Hornblower-Fan, deshalb weiß ich nicht mal, ob mir die Romane von Patrick O`Brian gefallen würden oder nicht.“

III.

Es ist erstaunlich, wie wenig sich der wahnwitzige Abessinien-Feldzug in der britischen Literatur und Pop-Kultur niedergeschlagen hat. Zu den wenigen Autoren, die das Thema bearbeitet haben, gehört der viel zu wenig bekannte Alan Scholefield mit The hammer of God, 1973 (deutsch erschienen als Der Hammer Gottes innerhalb der Ullstein-Abenteuer-Reihe, in der auch seine Afrika-Saga veröffentlicht wurde). Ein Roman von William Clives (d. i. Ronald Bassett, 1924-1996)) Dando-Serie behandelten Abessinien-Feldzug ebenfalls: Dando and the mad Emperor, 1974.

   Karen Mercurys historischer Roman The four Quaters of the world, 2006, schildert das Geschehen aus der  Sicht der Geiseln und verwendet die Originalquellen.

Weitere historische Romane über den Aufstieg und Untergang Theodorus´ ist Mason McCann Smiths When the Emperor dies, 1981, und Philip Marsdens The barefood emperor, 2007. Der Komponist des britischen Imperialismus, John Pridham (1818-1896), schrieb 1867 eine Partitur für Klavier mit Titel Abyssinian Expedition in Gedenken an die Schlacht um Magdala.

   Es gibt nicht einen westlichen Film, der diesen wahnwitzigen Stoff in Szene gesetzt hat! Das mag daran liegen, dass die Hollywooder Studio-Chefs über eine ähnlich ausgeprägte geographische- und historische Bildung verfügen wie George Bush jr.

   Und mir ist auch kein deutscher Roman bekannt, ob wohl es so viele deutschsprachige Quellen gibt.

IV.

   Fraser hatte noch zu Lebzeiten verfügt, dass kein anderer Autor seine Flashman-Serie weiterführen dürfe. Ein kluger Entschluss, wenn man sich zum Beispiel das literarische Schicksal von Ian Flemings James Bond ansieht, wo seit etwa vierzig Jahren schlechte und noch schlechtere Autoren (die Ausnahmen Kingsley Amis oder William Boyd bestätigen die Regel) die Reputation eines Pop-Mythos destabilisieren.

   Fraser konnte natürlich nicht den Namen Harry Flashman schützen, den er ja selber aus Thomas Hughes Buch Tom Brown’s school days entnommen hatte. Lediglich die Figur, wie er sie charakterisiert hatte, im Zusammenhang mit seinem literarischen Konzept darf nicht genutzt werden. Das gilt natürlich nicht für die zahlreichen Epigonen und Nachempfindungen, die inzwischen wie die Pilze aus dem Boden schießen und deren besseren Bücher der Flashman-Gemeinde etwas Trost gewährt.

   Das Flashman endgültig zur Pop-Ikone in der Liga von Sherlock Holmes oder James Bond (wenn auch nicht ganz so prominent) geworden ist, zeigen die zahlreichen epigonalen Texte, die mit ihm als Figur spielen oder Frasers literarisches Konzept nutzen. Nur ganz wenigen fiktionalen Charakteren werden Hommagen vergönnt wie Flashy, etwa in Adrienne Mayors Sachbuch The poison King: The Life and legend of Mithridates, Rome’s Deadliest enemy, 2010. In einer Fußnote (Nr. 29) erklärt die Wissenschaftlerin, dass es sich vielleicht um ein Gerücht handelt, dass Harry Flashman während seiner Zeit auf der Krim das Grab von Mithridates VI, entdeckt habe.

   An Flashman angelehnte Charaktere werden auch von etablierten Autoren genutzt. Eine faszinierende und eigenständige Variante gelang dem großen Michael Moorcock mit Colonel Pyat in der gleichnamigen Tetralogie: der kokainsüchtige, narzisstische und reichlich wahnsinnige Ich-Erzähler, Sympathisant von Monarchie und Nazismus, berichtet über die entscheidenden Ereignisse in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts von der Russischen Revolution bis Auschwitz. Bernard Cornwell, langjähriger Flashman-Fan und Autor bester historischer Abenteuer-Serien (die Sharpe-Serie ist wohl seine bekannteste), widmete den Roman The pale Horseman aus seiner Angelsachsen-Serie George MacDonald Fraser und versah die Figur des (realen) Prinzen Aethelwold mir Charakterzügen von Flashy. Terry Pratchett, ebenfalls bekennender Flashman-Fan, stattete die Figur des Rincewind aus seiner Scheibenwelt-Serie ebenfalls mit Charakterzügen von Flashman aus.

   Inzwischen gibt es eine stattliche Reihe von Serien, die sich direkt oder indirekt auf Flashman beziehen. Sie alle aufzulisten, würde den Rahmen dieses Nachworts sprengen (darüber wird der Flashman-Blog mehr berichten). Eine der besten, die britische Geschichte mit Verschwörungstheorien zusammenbringen, ist Christopher Jolls auf zehn Bände angelegte The Speedycut-Papers (deren erster Roman von 2013 den Titel Flashman’s Secret trägt). Wie Fraser, der Speedicut ja ebenfalls verwendete, nahm Joll die Figur aus Thomas Hughes Buch Tom Browns school days. Joll fand Speedicuts Briefe an Flashman 2010 im Keller eines Museums und edierte daraus diese Serie. In ihr „entlarvt“ er Flashman als Lügner und Betrüger!

   Ein Kuriosum ist der Roman Flashman and the invasion of Iracq, 2011, von H.C.Taylor, in dem ein Nachfahre von Harry am 3.Irak-Krieg und der Besetzung des Landes teilnimmt. Eine amerikanische Variante ist Robert Peechers Jackson Speed-Serie mit den Memoiren eines feigen Frauenhelden und US-Soldaten, der über amerikanische Konflikte des 19.Jahrhunderts erzählt. Ähnliches gilt für den Militärhistoriker Raymond M.Saunders und seine Travers-Serie, die von den Indianer-Kriegen über die Boxer-Rebellion bis zum Moro-Aufstand auf den Philippinen berichtet. Flashmans Onkel Thomas ist der Protagonist der Romane von Robert Brightwell, die während der Regency-Ära und den Napoleonischen Kriegen angesiedelt ist. Während des 2.Weltkrieges spielen die Abenteuer eines unehelichen Sohnes von Flashman, die Paul Moore aufgeschrieben hat. Flashmans Sohn Harry II taucht auch in den Kurzgeschichten von David McDonald auf, die in den Tales of the Shadowmen (eine an Philip José Farmers New World Universe angelehnte Reihe über Heroen der Pop-Literatur, von Arsène Lupin über Fantomas bis Zorro).

   Eines der schönsten Pastiche ist The Carlton Chronicles (2010) von Keith Laidler. Der Historiker Laidler hatte zuvor schon eine Biographie über eine von Flashmans grausamste Gespielin geschrieben: Female Caligula: Ranavalona, the mad Queen of Madagascar. In den Carlton Chronicles weist er zweifelsfrei nach, dass Flashy der Sohn von Sidney Carlton ist, dem Helden aus Charles Dickens Roman A tale oft wo Cities (der - nicht wie von Dickens falsch berichtet - auf dem Schafott hingerichtet wurde, da er es sich noch mal überlegt hatte). Außerdem weist dieser Bericht Carlton als den wahren Mörder von Danton und Robespierre nach. Stilistisch ähnlich brillant wie Fraser, ist Laidlers Buch jedem Flashman-Fan zu empfehlen. 

Bibliographie:

Volker Matthies: Unternehmen Magdala. Strafexpedition in Äthiopien. Ch. Links Verlag, Berlin 2010

G.A.Hentys Bücher bei Project Gutenberg:

http://www.gutenberg.org/ebooks/author/1032

Stanleys Erfahrungsbericht unter:

https://archive.org/details/coomassiemagdala00stan