In den Anfangsjahren beider Weltkriege gab es noch keine schnellen Langstreckenflugzeuge. Auch standen noch keine weit reichenden Fernmeldeverbindungen zwischen den Schiffen in See zur Verfügung. Diese verwendeten zur Nachrichtenübermittlung entweder Signalflaggen oder Morselampen und tauschten kurze Signalbuchgruppen aus.

Auf dem Marsch in ihre zugewiesenen Operationsgebiete fuhren Unterseeboote normalerweise aufgetaucht. Sie sparten dadurch Zeit und konnten sich dabei sicher fühlen. Auf der Grundlage gegenseitigen seemännischen Respekts beachteten U-Bootkommandanten und Kommandeure auf beiden Seiten ein ritterliches Verhalten angesichts rasch steigender Verluste und der allgegenwärtigen Aussicht eines grauenvollen Todes. Schnell einsetzbare Torpedos gegen andere Unterseeboote waren damals noch nicht erfunden. Wann auch immer sich U-Boote unerwartet auf See begegneten, zumeist in der Dunkelheit, nutzten sie ein eingespieltes Verfahren zum Austausch von Höflichkeiten. Dabei verwendeten sie einen sprachlich gemischten Morseschlüssel.

Während sie sich passierten, übermittelten die Deutschen die Buchstaben G-M-Y für „Gott Mit You“, während die Briten mit M-Y-T „Mit You Too“ antworteten. Gelegentlich winkten sie sich sogar mit ihren Mützen zu.

Diese inoffiziellen Grußformeln verbreiteten sich weltweit rasch unter den U-Bootfahrern aller Marinen und sind auch heute noch gebräuchlich. Im Verlauf der Jahre bin ich an vielen verschiedenen Plätzen von anderen U-Bootfahrern als ein Mitglied einer befreundeten internationalen Gemeinschaft mündlich begrüßt worden.

Bedeutete es nicht einen Schritt nach vorn, wenn dieses traditionelle aufeinander Zugehen sich zur Normalität zwischen Menschen mit gemeinsamen Interessen und Traditionen entwickelte?

 

(Aus dem Vorwort zu "Hingerichtet nach Pflichterfüllung" von Peter C. Hansen)