Baron Konrad von Breitenbrunner alias Konrad Breitenbrunner wurde von seinem Kommandeur nach Wien gesandt, um sich nach geeigneten Offiziersquartieren umzusehen.

Dieses Stadtviertel sah anders aus. Statt der alten zweistöckigen Bürgerhäuser standen hier mehrstöckige Häuser und Paläste. Wenige Minuten später kam er auf einen Viktualienmarkt. Vor einem Stand, auf dem Kohlköpfe zu einer Pyramide aufgeschlichtet am Boden lagen, standen zwei Frauen und redeten mit dem Händler. Sie gaben ein hübsches Paar ab, wie sie da so nebeneinander standen und sich über das frische Grünzeug beugten. Hoch geraffte Oberröcke betonten kokett die Hinterteile. Die eine drehte sich zu ihm, als hätte sie seinen Blick gespürt. Sie war vom deutschen Typ, groß und fest. Zwei dicke, blonde Zöpfe hingen über ihre Schultern. Sie zog ihm ein Gesicht und er machte eine kleine, spielerische Verbeugung. Sie drehte den Kopf zurück und Breitenbrunner sah, dass sie etwas zu der anderen sagte. Die war zierlicher und vom südländischen Frauentyp. Dunkelbraunes, gelocktes Haar, fiel wie ein Wasserfall unter ihrer Haube hervor. Ihr Kleid war von feinem Stoff, während die Blonde einfaches Tuch trug. Herrin und Dienstbotin. Beide ignorierten ihn gleich wieder und widmeten sich ihrem Einkauf. Die Blonde füllte einen großen Korb mit Kohlköpfen an und dann prüften sie das Gemüse, das ihnen der Händler vorlegte. Erst traf die Blonde eine erste Auswahl, präsentierte, was ihr gefallen hatte, der Herrin, die ihrerseits neuerlich prüfte und dann ihre Dienstbotin anwies, das Ausgesuchte in die Körbe zu tun. Als drei Körbe randvoll waren, gab sie ihr eine seidene Geldbörse. Die Blonde suchte die passenden Münzen heraus und reichte sie dem Händler über den Stand. Aber die italienische oder spanische Dame war mit ihrem Einkauf noch nicht fertig. Sie ließen die Körbe stehen und gingen zu einem Bauernkarren, der bis obenhin mit Kartoffeln beladen war. Breitenbrunner nahm die drei vollen Körbe auf und stellte sich neben sie. Die Südländerin sah reizend aus. Große dunkle Augen schauten ihn neugierig an, als er die Körbe abstellte, um ihr seine Aufwartung zu machen. Er beugte das rechte Knie, zog schwungvoll den breitkrempigen Hut vom Kopf und nannte seinen Namen.

„Baron von wo?"

„Von Breitenbrunn, meine Dame und gern zu Ihren Diensten."

„Oh, ich verstehe, Ihr wollt uns mit den Körben helfen."

„Nein, ich will sie Euch rauben. Ich habe gewaltige Lust auf rohe Kohlköpfe und Rüben."

Beide kicherten.

„Wir sind aber mit dem Einkaufen noch nicht fertig, mein lieber Baron. Es fehlen noch die Kartoffel und die sind riesig schwer."

Sie hatte nicht übertrieben. Der Händler bestimmte das Gewicht der Kartoffel mit zwei eisernen Kugeln und tat sie dann in den vierten und größten Korb.

Breitenbrunner nahm alle vier Körbe ohne sichtliche Mühe auf und weil die Blonde neben ihm stand, wuchtete er sie mit dem rechten Arm auch gleich hoch.

„Oh, oh. Was für eine starke Mann. Er ist Hauptmann, nicht wahr?" Beide warfen ihm bewundernde Blicke zu.

Nach nicht einmal zwanzig Schritten fragte sie ihn, ob er nicht eine kleine Pause einlegen wollte. Die Körbe wären doch riesenschwer. Das waren sie für ihn nicht, aber er stellte sie gerne ab, um sich mit ihr unterhalten zu können, bevor sie die Botschaft erreichten.

Sie meinte, es mache sie sehr glücklich, dass endlich das erste frische Grünzeug auf den Markt gekommen war. Für diesen Abend erwarte sie Gäste, die an ihrer Freude teilhaben sollten. An ihn sprach sie keine Einladung aus und etwas missmutig nahm er die Körbe wieder auf und ging weiter.

„Ah, sagte sie. „Ihr seid eine Mann, aus dessen Gesicht ich lesen kann. Zuvor habt Ihr gestrahlt und jetzt seht Ihr so finster drein. Ich weiß warum."

„Warum?", brummte er.

„Weil ich Euch nicht eingeladen habe für heute Abend."

Ihre Direktheit überraschte ihn.

„Ich weiß, ich sollte den Herrn Baron einladen für seine Güte und Hilfsbereitschaft, aber ich glaube, diese Gesellschaft heute Abend ist nichts für ihn. Es wird nur Spanisch gesprochen werden und Ihr werdet Euch schrecklich langweilen unter Diplomaten und Priestern, die keine andere Sprache reden wollen. So sind wir Spanier. Wir verlangen, dass in unseren Häusern nichts anderes gesprochen wird als Spanisch. Wer nicht Spanisch spricht, ist keine buena creatura, kein wirklicher Mensch."

„Ihr redet sehr offen, das ist schön", sagte er und stellte die Körbe wieder ab. „Ich frage mich wie Ihr es in solcher Gesellschaft aushaltet und weiters, wieso Ihr als Spanierin so gut Deutsch sprecht."

„Weil ich nur zur Hälfte Spanierin bin. Meine Mutter stammte aus den Niederlanden und hat bis zu ihrem Tod Deutsch mit mir gesprochen. Sie war lebensfroh und hat sich nie der Spanischen Art gebeugt."

„Und Ihr habt die Art Eurer Mutter geerbt. Es gibt Frauen, Damen, meine ich, meine Dame, die man an jedem beliebigen Ort gern sehen würde und wenn es vor dem Tor zur Hölle wäre."

„Ihr wollt mich wiedersehen, nicht wahr?"

„Ja", antwortete er schlicht.

„Dann kommt Morgen am späten Vormittag auf eine Tasse Schokolade zum Haus, das neben der Botschaft liegt. Ihr werdet es gleich vor Euch sehen. Ich bin die Caballera de Alvarez y Casal und jetzt lasst uns weitergehen, die Leute blicken auf uns."